„Ich fühle mich nicht wahrgenommen“ – Über das Tabu Sexualität und Behinderung

Tatjana ist von Geburt an behindert. Sie kam zu früh auf die Welt und hatte Sauerstoffmangel. Das führte zu einer Spastik. Die 34-Jährige kann deswegen nicht das Gleichgewicht halten.

Sie sitzt im Rollstuhl oder braucht Krücken.

von Pola Nathusius

 

Immer wieder erlebt sie, dass Menschen ohne Behinderung ihr ihre Sexualität absprechen.

„Menschen mit Behinderung werden behandelt wie Kinder – auch, wenn es um ihre Sexualität geht“, sagt sie im Interview.

Das entspricht nicht der Realität. Tatjana hat seit mehr als drei Jahren einen Freund. Sex war nie ein Problem, erzählt sie. Die beiden haben sich im Internet kennen gelernt. Dass sie eine Behinderung hat, spielte keine Rolle. Tatjana und ihr Freund haben viele gemeinsame Interessen, zum Beispiel Festivals wie Rock am Ring zu besuchen.

Auch in ihrem Berufsleben wird Tatjana immer wieder mit Fragen zu Sexualität und Behinderung konfrontiert. Sie arbeitete als Coach für Menschen mit Behinderung – eigentlich, um ihren KundInnen zu helfen, im Beruf erfolgreich und selbstbewusst zu sein. Doch in ihren Sitzungen bekommt sie regelmäßig Fragen zum Thema Sex gestellt.

Welche Fragen das sind, erzählt Tatjana im Interview. Sie spricht außerdem offen über soziale Ausgrenzung, Sexstellungen und Online-Dating.

Fotos: privat