Wer wir sind. Was wir wollen.

Mit Menschen mit Behinderung über Sex zu sprechen, dem Chef von den eigenen Menstruationsbeschwerden berichten oder erzählen, dass Frau bei der Geburt einen Dammriss hatte – Tabus gibt es immer noch viele in unserer Gesellschaft.

Wir sind Volontäre des Hessischen Rundfunks und wollen in unserem Abschlussprojekt reden, wenn andere schweigen – und so mit Tabus brechen.

 

Das sind wir:

David Ahlf:

David hat sich um alles gekümmert, was mit unserem Logo zu tun hat. Und: ein Interview auf dem Friedhof geführt – zum Tabu Sterbehilfe. Während dieser und anderer Recherchen im Rahmen des Projekts wurde David klar: Die Abgründe, die ihm begegnet sind, wird er so schnell nicht mehr los. Überraschend war für ihn, wie viele Menschen bereit sind, offen über intime und tabuisierte Themen zu sprechen – sogar vor der Kamera!

 

Monika Baczynska:

Moni hat mit Frauen gesprochen, die offen über ihre Geburt erzählen. Überrascht hat sie, was mit dem Körper einer Frau während und nach der Geburt passiert, darüber aber niemand gern spricht. Das Thema beschäftigt sie sehr, denn Monika möchte selbst Mutter werden und findet es gut, sich auch mit den nicht so schönen Seiten einer Geburt auseinander zu setzen – so weiß sie nun immerhin, was sie erwartet, wenn sie selbst mal im Kreissaal liegt.

Anna Dangel:

Anna interessiert sich für andere Kulturen, schon immer. Sie hat mit Menschen aus einer ganzen Reihe von Ländern über Tabus gesprochen – und war von diesen Tabus überrascht. Ihr ist während des Projekts außerdem klar geworden, wie divers Tabus sein können – von originellem Aberglauben bis zu harten Gesellschaftsregeln war alles dabei. Annas Erkenntnis: Tabus charakterisieren eine Gesellschaft und bringen die Probleme einer Kultur ziemlich genau auf den Punkt.

 

Sophia Luft:

Sophia hat zusammen mit Tiemen Menschen interviewt, die Angehörige durch Suizid verloren haben. Die Gespräche zu dem Thema, über das viele Menschen schweigen, haben sie umgehauen. Am Mainufer in Frankfurt hat Sophia sich mit der amüsanten Seite von Tabus beschäftigt und mit PassantInnen ein Spiel zu sexuellen Vorlieben und Sexunfällen gespielt. Sie weiß jetzt mit Sicherheit, dass manche Menschen beim Sex pupsen.
Sophia beschäftigt, wie viel Redebedarf es über Tabus in unserer Gesellschaft gibt. Sie nimmt aus dem Projekt mit: Wir müssen den Mund aufmachen, wenn andere schweigen.

Tiemen Glatt:

Tiemen hat zusammen mit Sophia Interviews zu einem schweren Thema geführt: Selbstmord. Sie haben mit Menschen darüber gesprochen, worüber andere normalerweise schweigen. Was die Hinterbliebenen erzählt haben, hallt bei ihm sicher noch lange nach. Denn jedes Interview hatte eine solch emotionale Tiefe, dass auch er jedes Mal durch ein kleines Tal musste.
Überrascht war er aber von der Offenheit der ProtagonistInnen und ihm wurde bewusst: Jeder Mensch hat eine Geschichte und es ist ein Geschenk, sie hören zu dürfen. Am Ende des Projekts konnte Tiemen das tun, was er wirklich liebt: eine poetische Ode ans Nichts tun schreiben. Denn für ihn ist das kein Tabu, das Faulsein mit Genuss.

Pola Nathusius:

Pola hat während des Projekts das intimste Interview ihres Lebens geführt – über das Tabu Sexualität und Behinderung. Überrascht war sie vom unglaublichen Vertrauen und der Offenheit ihrer Gesprächspartnerin. Außerdem hat Pola die Projektkoordination, das Marketing und die Betreuung unseres Instagram Accounts übernommen. Pola nimmt aus dem Projekt mit: Wenn wir Menschen zuhören und versuchen, ihre Sicht auf die Dinge zu verstehen, erweitert das immer den Horizont.

Annette Rehn:

Peinliche Menstruationsgeschichten – davon hat Annette viele gehört und einige wird sie nicht vergessen. Annette hat sich damit beschäftigt, wie die Menstruation Frauen bei der Arbeit einschränkt und welchen gesellschaftlichen Umgang sich Frauen damit wünschen – denn bei uns ist das Thema Menstruation noch ein großes Tabu. Außerdem hat Annette sich mit einem Tabu beschäftigt, das sie selbst fast nie bricht: Nichts tun. Einfach mal gar nichts tun.

Marcus Pfeiffer:

Marcus hat viele Stunden in ein langes Radio-Feature über Tabus investiert: welche Tabus gibt es in Deutschland und anderen Kulturen, wie entstehen und entwickeln sich Tabus? Er hat dafür Hintergründe recherchiert sowie die Rechercheergebnisse, Interviews und Eindrücke der Gruppe gesammelt und gesichtet. Das Ergebnis ist ein 23-minütiges Hörfunk-Stück. Außerdem hat er die Logistik, das Zeitmanagement und die Fahrdienste für die Ehrlichkeitsbox und das Paarspiel übernommen.

Marcus‘ Erkenntnis aus dem Projekt: Tabus sind nur so lange tabu, wie man sie tabuisiert.